Die Foodbranche entdeckt die Online-Welt

Die Dienstleistungsgesellschaft ist als Entwicklungsstufe der Menschheit schon wieder passé, derzeit bewegen wir uns im digitalen Zeitalter. So zumindest ist immer wieder in den Medien zu lesen. Mit Digitalisierung ist dabei weniger der Markt an Computerspielen und Online-Tageszeitungen gemeint. Es geht ganz konkret darum, wieviele Tätigkeiten des täglichen Lebens online ausgeführt werden. Es fängt natürlich mit dem Lesen der Zeitung im Online-Abo an. Aber woher kommt der Kaffee, der dabei getrunken wird? In Deutschland wird der in den meisten Fällen immer noch im stationären Handel erworben. Und auch die Bäckerbrötchen, die zu einem guten Frühstück dazugehören, werden in der örtlichen Bäckerei oder im Supermarkt erworben. Meistens zumindest. Denn der Anteil des E-Commerce im Food-Sektor nimmt zu.

Internet als Konkurrenz zum Einzelhandel?

E-Commerce im Food-Sektor hat viele Gesichter. Einerseits sind da natürlich die Supermärkte, die ihren Kunden und Kundinnen ein virtuelles Warenhaus bieten. Die Sortimente unterscheiden sich bei den großen Ketten allerdings kaum von den Auslagen in den Ladenlokalen. Geliefert wird entweder mehr oder minder termingerecht nach Hause. Oder die Kundschaft kann sich den Einkauf einfach nur fertig packen lassen, so dass er zur Abholung in der gewünschten Filiale bereitsteht. Abgehandelt wird der Einkauf natürlich am Computer, seltener am Tablet oder Smartphone. Denn die deutschen Händler tun sich noch etwas schwer mit Apps für mobile Geräte, viele Webseiten sind zudem nicht für Smartphones optimiert.

Eine andere Facette des E-Commerce in Sachen Lebensmittel sind Supermärkte, die es nur online gibt. Allyouneed Fresh beispielsweise unterhält keine Ladenlokale, hat aber ein Sortiment, das ungefähr dem eines gut ausgestatteten konventionellen Supermarkts entspricht. Die Waren werden per Lieferdienst an die Wunschadresse geschickt, gezahlt wird zu den üblichen Konditionen im E-Commerce.

Wirklich interessant wird es aber erst, wenn man die dritte Sparte des Food-Segments online schaut: Stark spezialisierte Lebensmittelhändler/-innen nutzen die Möglichkeiten, die das Netz bieten, um ein außergewöhnlich großes Sortiment im jeweiligen Bereich dem normalerweise eher kleinen Kundenstamm zugänglich zu machen. Da gibt es Supermärkte im Netz, die sich auf Lebensmittel aus biologischem Anbau spezialisiert haben, die nur vegan oder gentechnikfreie Lebensmittel vertreiben. Glutenfreie, laktosefreie oder zusatzstofffreie Lebensmittel sprechen in erster Linie Allergiker/-innen und Menschen mit Leensmittelunverträglichkeiten an. Spezialitätengeschäfte bieten Nahrungsmittel aus fernen Ländern an, die im stationären Handel nicht erhältlich sind, oder liefern fertig gepackte Lebensmittelpakete samt Kochrezepten dazu, Lunchpakete für das Büro oder die Schule. Und in diesem Segment wird der E-Commerce im Food-Sektor sehr viel bereitwilliger von den Konsumenten und Konsumentinnen angenommen als hinsichtlich der Sortimente, die auch der stationäre Lebensmittelhandel führt. Das ist auffällig: Da, wo der stationäre Handel keine ausreichenden Möglichkeiten zu bieten hat, wird der Handel im Internet ausgebaut.

Einzelne Händler profilieren sich mit besonderen Angeboten

Die meisten Menschen finden es recht umständlich, den Lebensmitteleinkauf am heimischen Rechner zu erledigen. E-Commerce ist eine mobile Angelegenheit, die meisten Vorgänge werden unterwegs von mobilen Geräten aus erledigt. Die Händler, die ihre Netzpräsenz für mobile Geräte optimieren, bedienerfreundliche Apps anbieten, können sich profilieren. Aber auch andere Angebote werden gut angenommen: in manchen Städten liefern die Händler ausschließlich umweltfreundlich per Fahrrad aus, andere werben mit ihrem Fahrzeugpark, der ausschließlich Stromer beinhaltet. Der Food-Sektor im E-Commerce muss mehr bieten als der stationäre Handel, soviel wird deutlich.

Restaurants tun sich in Deutschland noch schwer

E-Commerce im Food-Sektor ist nicht auf den wöchentlichen Lebensmitteleinkauf reduziert. Auch die Restaurants sind inzwischen online. In Deutschland kommt das in erster Linie als online einsehbare Speisekarten und Kundenbewertungen an, aber auch zunehmend in Form von Lieferdiensten. Wer „beim Italiener“ bestellt und sich das Essen liefern lässt, tut das nicht mehr per Telefon, sondern per Internet, über einen der vielen Dienstleister, die die Restaurants der Umgebung zusammenfassen und die Angebote bündeln. Das Geschäft hat sich hier nicht grundlegend gewandelt, die traditionell verfügbaren Dienste sind lediglich ins Internet abgewandert. Die zusätzlichen Möglichkeiten, die der E-Commerce bietet, werden bislang nicht genutzt.

Anteil an E-Commerce nimmt zu, wird aber erstmal nicht überwiegen

Für die Zukunft ist allerdings ein Zuwachs im E-Commerce zu erwarten, auch im Food-Segment. Der GfK rechnet mit einem jährlichen Wachstum von etwa 3,5 %, bis zum Jahr 2021 wird der Anteil des E-Commerce weiter wachsen. 2021 ist der Markt voraussichtlich gesättigt, es wird kein weiteres Wachstum stattfinden. Man geht bislang davon aus, dass bis zum Jahr 2025 der Anteil des Online-Umsatzes im Einzelhandel (alle Güter) auf 15 % steigt und es weiterhin sortenspezifisch große Unterschiede geben wird. Im Lebensmittelbereich wird der stationäre Handel überwiegen. Der große Vorteil des stationären Einzelhandels, insbesondere in Bezug auf Nahrungsmittel, liegt laut Umfragen immer noch für 63 % der Menschen darin, dass die Ware vor dem Kauf begutachtet werden kann – ansehen und anfassen sind eben beim Essen wichtig.

 


Veröffentlicht am: 21. April 2017
von: Lars Nielsen
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