Agil, flexibel, disruptiv – Finanz-Start-ups sagen den Banken den Kampf an

business-561387_640Junge Finanzunternehmen krempeln die Bankenbranchen derzeit kräftig um, indem sie die Wertschöpfungskette klassischer Banken immer weiter in ihre Einzelteile zerlegen. Doch die Start-ups bieten nicht nur immer mehr Bankprodukte an. Sie erledigen die Aufgaben auch viel schneller und effizienter. Den Kunden gefällt das.

Die Filiale der Zukunft ist das Smartphone – das sieht auch Valentin Stalf so. Zusammen mit Maximilian Tayenthal ist der Österreicher angetreten, mit seinem Finanz-Start-up Number26 den Giromarkt kräftig aufzumischen. „Wir können heute ein Girokonto anbieten, dass fünf bis zehn Mal günstiger ist als bei einer traditionellen Bank – weil das Start-up niedrigere Kosten hat“, sagte Stalf, der schon die Eine-Million-Kunden-Marke anpeilt. Der Grund für seinen Optimismus: Im Juli hatte N26 – früher Number26 – die Vollbanklizenz erhalten. Sie sei „die Basis dafür, dass wir international expandieren können.“ Geld verdienen wollen Stalf und Tayenthal aber nicht nur mit ihrem mobilen Girokonto, sondern vor allem mit Investment-Produkten, Krediten und Versicherungen – alle Produkte kommen per App und mit wenigen Klicks zu den heute schon 200.000 Kunden. Dank innovativer Datenanalyse sollen genau die Finanzprodukte angeboten werden, die auch zum jeweiligen Kunden passen. Außerdem kommt demnächst ein Robo-Advisor auf die Plattform, mit dem sich zum Beispiel Kosten per Swipe teilen lassen. Setzt sich diese Funktion durch, ist das ein massiver Angriff auf Peer-2-Peer-Payment-Apps.

Und genau darauf setzen viele der jungen Finanz-Start-ups: Sie wollen die Großen der Branche angreifen – mit kreativen Ideen, innovativen Technologien und schneller Umsetzung. Mit Agilität und Flexibilität nutzen sie die Chancen der Digitalisierung, die die etablieren Kreditinstitute derzeit verschlafen. Die Großbanken können mit dem Tempo der jungen Digitalunternehmen nicht mithalten, müssen sie doch immer mehr Kapazitäten in die verstärkten Regulierungsanforderungen stecken.

Doch genau diese Schnelligkeit fordern die Kunden. Die Digitalisierung durchdringt immer mehr ihrer Lebens- und Geschäftsbereiche – auch im Banking spielt sie eine immer größere Rolle. Kunden informieren sich heute selbstständig, fordern aber auch unbegrenzten Zugang zu allen relevanten Informationen. Zudem wollen sie innovative Lösungen, die Banking und Bezahlen vereinfachen. Und auch bei der Online-Kontoeröffnung wollen sie nicht mehr zur nächsten Postfiliale gehen, sondern sich per Video-Chat identifizieren. Dank der modernen Kommunikationsmittel entfallen viele unnötig weite Wege.

So auch bei der Online-Steuerberatung von felix1.de. Ausgabenbelege für die Steuererklärung können hier mit dem Smartphone abfotografiert und über die App direkt an den Steuerberater gesendet werden. Daten und Auswertungen stehen im Unternehmerportal zur Verfügung, die Buchhaltung erfolgt per Cloud und für Absprachen gibt es die Skype-Konferenz. So können die Kunden ihre Steuererklärung bequem digital vom heimischen Sofa aus erledigen, die Steuerexperten sind immer erreichbar und schnell zur Stelle.

Auf Schnelligkeit setzt auch die Crowdlending-Plattform FundingCircle. Hier können Kreditnehmer ihre Finanzierung am Sonntagabend binnen 15 Minuten beantragen; das Ergebnis komme bereits nach wenigen Tagen. Fällt es positiv aus, wird das Kreditprojekt auf der Plattform veröffentlicht und das Geld von den privaten Investoren eingesammelt. Manchmal dauert das bis zu drei Wochen, manchmal auch nur 24 Stunden. FundingCircle will dabei weder die klassische Bankfinanzierung noch das Anlagegeschäft ersetzen – sondern eher neue Alternative bieten.

Als Alternative für Privatanleger und den Mittelstand sieht auch Tamo Zwinge seine Crowdinvesting-Plattform Companisto: „Die Unternehmen suchen auch nach alternativen Finanzierungsformen.“ Vor allem kleine oder junge Firmen, die keinen Zugang zu Bankkrediten hätten, für Venture Capital aber noch zu klein seien, fragten bei Companisto an.

Als Finanzierungsplattform für Start-ups sitzt Companisto natürlich in Berlin. Denn in keiner anderen deutschen Stadt werden so viele neue Firmen gegründet wie in der Hauptstadt. Mit seinen günstigen Lebenshaltungskosten, den attraktiven Freizeit- und Kulturangeboten und dem kreativen Umfeld zieht Berlin jedes Jahr Tausende Gründer und hoch qualifizierte Fachkräfte aus Deutschland, Europa und der ganzen Welt an. In den vergangenen Jahren galt die deutsche Hauptstadt deshalb auch als Start-up-Hauptstadt. In Sachen Risikokapital-Investitionen stand sie zuletzt aber nicht mehr an der Spitze. So flossen im ersten Halbjahr 2016 nur 520 Millionen Euro Risikokapital in Berliner Start-ups. 1,3 Milliarden Euro gingen nach London, 1,0 Milliarden Euro nach Stockholm und 673 Millionen Euro nach Paris, hat die Unternehmensberatung Ernst & Young in ihrem halbjährlichen Start-up-Barometer festgestellt. Im Vorjahreszeitraum wurden noch 1,5 Milliarden Euro in Berlin investiert.

Der FinTech-Branche macht die gesunkene Risikokapitalgabe in der Hauptstadt aber nichts aus. Rund 80 Millionen Euro Wagniskapital sammelten die Berliner FinTechs zuletzt ein. Auch wenn die FinTech-Szene im internationalen Vergleich noch immer von Nordamerika, Großbritannien und Asien dominiert werde, seien die rund 70 Berliner FinTech-Start-ups inzwischen weithin sichtbar, heißt es in einer Studie der Investitionsbank Berlin (IBB). Die neuen Unternehmen machten den Banken zunehmend Konkurrenz. Vor allem vier FinTechs hatten zuletzt zweistellige Millionenbeträge einsammeln können: Darunter N26, aber auch Finleap – das Unternehmen unterstützt Gründer bei Unternehmensaufbau und Finanzierung – sowie das Versicherungsmodell Friendsurance und die Kreditplattform Spotcap.

Das sind die wichtigsten deutschen FinTechs

  • Bonify vermittelt seinen Nutzern Finanzprodukte, die zu ihrer Bonität und Finanzsituation passen.
  • Cookies ermöglicht es seinen Nutzern, per App in Sekundenschnelle Geld zu versenden und anzufragen.
  • CrossLend versteht sich als Kreditmarktplatz, auf dem Kreditnehmer und private wie institutionelle Anleger durch ein grenzüberschreitendes Kapitalmarkt-Setup zusammengebracht werden.
  • figo positioniert sich als Banking Service Provider, mit dem sich Unternehmen in wenigen Minuten an Banken und Finanzdienstleister anschließen können.
  • Kreditech konzentriert sich als Kreditvermittlungs- und Scoring-Unternehmen auf underbanked-Kunden, die keine Kredite bekommen und auch sonst kaum Zugang zu Finanzprodukten haben.
  • N26 bietet ein mobiles Girokonto und will künftig Finanzprodukte aus allen Sparten vertreiben.
  • nextmarkets positioniert sich als Lernplattform für die Börse.
  • moneymeets will seinen Nutzern als erstes soziales Netzwerk für Finanzthemen bei privaten Finanzentscheidungen helfen und so als alternative Bankberatung dienen.
  • OptioPay wickelt als neuartige Auszahlungsplattform Zahlungen von Unternehmen an deren Kunden oder Mitarbeiter ab.
  • Orderbird dient als iPad-Kassensystem.
  • Savedo ist ein Online-Marktplatz für europaweite Sparanlagen.
  • solarisBank ist die weltweit erste Banking-Plattform mit Vollbanklizenz.
  • Spotcap ist als Online-Kreditplattform für kleine und mittelständische Unternehmen aktiv.
  • Traxpay hat sich als B2B-Anbieter für Zahlungen in Echtzeit positioniert.
  • Weltsparen oder auch SavingGlobal bietet deutschen Sparern die besten Anlageprodukte aus ganz Europa.

 


Veröffentlicht am: 22. August 2016
von: Lars Nielsen
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